Freitag, 15. August 2008
Schweizer Gratissperrmüll
Wenn der Schweizer einen Einrichtungsgegenstand nicht mehr braucht, dann trägt er ihn nicht immer zur Sperrmülltram, wie es sich eigentlich in Zürich gehört. Manchmal stellt der Schweizer nicht mehr benötigte Möbelstücke einfach auf die Strasse. Und macht ein Schild daran, auf dem steht meistens: GRATIS ZUM MITNEHMEN. So wie hier (das GRATIS steht unleserlich oben rechts):
Auf solche oder ähnliche Weise sind mir schon Sofatische, Schränke, Beistelltische, Monitore, Sonnenbänke (!) und Lautsprecher angeboten worden. Natürlich alles gratis. Nicht, dass ich davon irgendetwas mitgenommen hätte. Ich frage mich nun was dieses Schild soll. Dient es nur der Erleichterung des Gewissens des Stadtvermüllers, der sich so weniger wie jemand fühlt, der einfach seinen Schrott im öffentlichen Raum verklappt? Oder hat das hier Tradition und die Leute nehmen das Zeug wirklich mit? Und vor allem: Würden die Leute den gefühlten Gegenwert in Schweizer Franken im Gegenzug an die Bordsteinkante legen, wenn auf den Schildern nicht gross GRATIS stehen würde?
Mein Blog hat mir ein iPhone beschert
Bloggen ist super. Ich hatte mich hier neulich lautstark darüber beschwert, dass mich mein Schweizer Mobilfunkanbieter Orange nicht von einer Orange-Prepaidkarte zu einem Orange-iPhone wechseln lässt. Weil es offensichtlich irgendwie nicht vorgesehen war.
Mein Super-Chef Heinz hat einen Link zu meinem Post an ein Hohes Tier bei Orange geforwardet, das er kennt (Heinz kennt alle hohen Tiere in der Schweiz ;-)). Mit dem Erfolg, dass ich zwei Tage nach meinem Post einen Anruf von Herrn Rümi vom Orange Customer Care bekam. Herr Rümi hat sich für all das Ungemach entschuldigt und mir für die nächste Woche ein iPhone versprochen, das ich seit vorgestern in den Händen halte. Grosse Freude. Daumen hoch für Orange (und für Heinz).
Mein Super-Chef Heinz hat einen Link zu meinem Post an ein Hohes Tier bei Orange geforwardet, das er kennt (Heinz kennt alle hohen Tiere in der Schweiz ;-)). Mit dem Erfolg, dass ich zwei Tage nach meinem Post einen Anruf von Herrn Rümi vom Orange Customer Care bekam. Herr Rümi hat sich für all das Ungemach entschuldigt und mir für die nächste Woche ein iPhone versprochen, das ich seit vorgestern in den Händen halte. Grosse Freude. Daumen hoch für Orange (und für Heinz).
Donnerstag, 7. August 2008
Stararchitekt in spe
Mein Gatte Daniel hat endlich eine Homepage, auf der man sich seine tolle Architektur ansehen kann. Ich finde sie ganz fantastisch. Wenn es mit meiner Karriere nicht klappt, klappt es bestimmt mit seiner.
Montag, 4. August 2008
iPhone kafkaesque: Als Orangeclick-Kunde kann ich kein Orange-iPhone kaufen
Ich stelle mich am 11.07. um 8h morgens beim Orange-Center in Oerlikon in die Schlange, um
ein iPhone zu bekommen. Davon gibt es sogar Fotos. Kurz bevor ich dran bin, ist es leider ausverkauft. Ich warte ein paar Wochen. Ich gehe wieder ins Orange-Center Oerlikon. Ob ich ein iPhone (weiss, 16 GB) reservieren könne. Nein, das geht im Laden nicht mehr, wegen der hohen Nachfrage, das müssen sie online machen. Also gehe ich auf die Orange-iPhone-Seite, um mir dort ein iPhone zu kaufen. Ich habe bereits bei Orangeclick, dem Pre-Paid-Ableger von Orange, eine Prepaidkarte und würde die Nummer gerne auf meinen iPhone-Vertrag portieren. Kann ja nicht so schwer sein. Weit gefehlt.
Die Orange-iPhone-Bestellwebseite empfängt mich mit der Frage, ob ich bereits Orange-Kunde sei. Naiv wie ich bin, klicke ich auf "ich bin schon Orange Kunde", denn erstens habe ich ja Orangeklick, und zweitens habe ich zu Hause ADSL von Orange. Ich werde weitergeleitet und soll Nutzername und Passwort eingeben. Huch? Habe ich nicht. Ich klicke auf "registrieren". Da wollen sie meine Handynummer. Gebe ich ein:
Die Registrierung ist Orange Kunden vorbehalten. Bitte setzen Sie sich kostenlos mit unserem Kundendienst unter der Nummer 0800 700 700 in Verbindung. Falls Sie schon über ein 'orangeclick.ch' Konto verfügen, loggen Sie sich bei orangeclick.ch ein, um Ihr Konto online zu verwalten.
Oh. Wie blöd. Denn auf orangeclick.ch kann ich zwar mein Prepaid-Konto verwalten, aber kein iPhone bestellen. Also gelte ich für Orange offenbar nicht als Kunde. Naja, egal, dann klicke ich auf der iPhone-Bestellseite eben auf "ich bin noch nicht Orange Kunde" (obwohl ich mich als solcher fühle).
Ich lande im Handy-Shop von Orange, wähle das weisse 16 GB iPhone aus, 24 Monate iPhone Optima 30, ärgere mich, dass mir die 50 Franken Rabatt, die ich beim Umtausch meines alten Nokia 6680 im Shop bekommen hätte, durch die Lappen gehen, ärgere mich, dass mir die 40 Franken Rabatt für Orange-Kunden durch die Lappen gehen und darüber, dass die SIM-Karte noch mal 40 Franken kosten soll. Insgesamt habe ich am Schluss 289,- Franken auf der Uhr. Aber nun gut. Ich gehe "zur Kasse" und klicke auf "die jetzige Mobiltelefon Nummer behalten". Ich lande hier:

Ich kann zwar meine Nummer eingeben, aber Orangeclick ist nicht in der Liste der Anbieter. Ich lasse den Anbieter frei, gebe meine Daten ein und klicke auf "weiter". Nix da:
Geben Sie bitte einen Wert in das folgende Feld ein:
Bisheriger Anbieter
Uaaahh! Orange lässt es nicht zu, dass ich als Orangeclick-Kunde ein iPhone bestelle und meine alte Nummer behalte. Kunden des eigenen Prepaid-Angebotes können kein iPhone bestellen. Jedenfalls nicht, wenn sie ihre Nummer behalten wollen.
Das ist sowas von bescheuert. Orange kafkaesque. Wollen die mein Geld nicht?
UPDATE: Dieser Post hat mir binnen 7 Tagen ein Orange iPhone beschert. :-)
ein iPhone zu bekommen. Davon gibt es sogar Fotos. Kurz bevor ich dran bin, ist es leider ausverkauft. Ich warte ein paar Wochen. Ich gehe wieder ins Orange-Center Oerlikon. Ob ich ein iPhone (weiss, 16 GB) reservieren könne. Nein, das geht im Laden nicht mehr, wegen der hohen Nachfrage, das müssen sie online machen. Also gehe ich auf die Orange-iPhone-Seite, um mir dort ein iPhone zu kaufen. Ich habe bereits bei Orangeclick, dem Pre-Paid-Ableger von Orange, eine Prepaidkarte und würde die Nummer gerne auf meinen iPhone-Vertrag portieren. Kann ja nicht so schwer sein. Weit gefehlt.
Die Orange-iPhone-Bestellwebseite empfängt mich mit der Frage, ob ich bereits Orange-Kunde sei. Naiv wie ich bin, klicke ich auf "ich bin schon Orange Kunde", denn erstens habe ich ja Orangeklick, und zweitens habe ich zu Hause ADSL von Orange. Ich werde weitergeleitet und soll Nutzername und Passwort eingeben. Huch? Habe ich nicht. Ich klicke auf "registrieren". Da wollen sie meine Handynummer. Gebe ich ein:
Die Registrierung ist Orange Kunden vorbehalten. Bitte setzen Sie sich kostenlos mit unserem Kundendienst unter der Nummer 0800 700 700 in Verbindung. Falls Sie schon über ein 'orangeclick.ch' Konto verfügen, loggen Sie sich bei orangeclick.ch ein, um Ihr Konto online zu verwalten.
Oh. Wie blöd. Denn auf orangeclick.ch kann ich zwar mein Prepaid-Konto verwalten, aber kein iPhone bestellen. Also gelte ich für Orange offenbar nicht als Kunde. Naja, egal, dann klicke ich auf der iPhone-Bestellseite eben auf "ich bin noch nicht Orange Kunde" (obwohl ich mich als solcher fühle).
Ich lande im Handy-Shop von Orange, wähle das weisse 16 GB iPhone aus, 24 Monate iPhone Optima 30, ärgere mich, dass mir die 50 Franken Rabatt, die ich beim Umtausch meines alten Nokia 6680 im Shop bekommen hätte, durch die Lappen gehen, ärgere mich, dass mir die 40 Franken Rabatt für Orange-Kunden durch die Lappen gehen und darüber, dass die SIM-Karte noch mal 40 Franken kosten soll. Insgesamt habe ich am Schluss 289,- Franken auf der Uhr. Aber nun gut. Ich gehe "zur Kasse" und klicke auf "die jetzige Mobiltelefon Nummer behalten". Ich lande hier:

Ich kann zwar meine Nummer eingeben, aber Orangeclick ist nicht in der Liste der Anbieter. Ich lasse den Anbieter frei, gebe meine Daten ein und klicke auf "weiter". Nix da:
Geben Sie bitte einen Wert in das folgende Feld ein:
Bisheriger Anbieter
Uaaahh! Orange lässt es nicht zu, dass ich als Orangeclick-Kunde ein iPhone bestelle und meine alte Nummer behalte. Kunden des eigenen Prepaid-Angebotes können kein iPhone bestellen. Jedenfalls nicht, wenn sie ihre Nummer behalten wollen.
Das ist sowas von bescheuert. Orange kafkaesque. Wollen die mein Geld nicht?
UPDATE: Dieser Post hat mir binnen 7 Tagen ein Orange iPhone beschert. :-)
Sonntag, 1. Juni 2008
Mit der SVP gehts bachab
Heute wurde in der Schweiz über die "Einbürgerungsinitiative" der SVP abgestimmt. Das Schweizer Radio DRS meldet:
Die Schweiz will keine Einbürgerungen an der Urne, keinen «Maulkorb» für die Behörden und keinen neuen Gesundheitsartikel.Sehr schön auch der Kommentar vom CVP-Präsident Christophe Darbellay, gefunden bei 20minuten:
Das Abstimmungsergebnis ist eine dreifache Niederlage für die SVP. Mit 63,8 Prozent Nein fiel das Verdikt zur Einbürgerungsinitiative der Partei überraschend deutlich aus. Ausser dem Kanton Schwyz lehnten alle Stände das Volksbegehren ab.
In der «Elefantenrunde» von Schweizer Radio DRS forderte Darbellay die SVP auf, zurück zu den richtigen Problemen zu kommen und zu einer konstruktiven Politik. Die CVP sei bereit auch mit der SVP zu reden, aber sie müsse etwas im Stil ändern, sagte Darbellay, - «und vielleicht auch ihre Plakate».Ich war selten so einer Meinung mit einem CVP-Politiker. Daumen hoch für 63,8 % der Schweizer Wählerinnen und Wähler!
Zürich CSD 2008
CSD 2008 in Zürich - mein erster bei den Eidgenossen. Los gehts um 13h mit diversen reden auf dem Helvetiaplatz.

Es folgt die Parade. Viel kleiner als in Hamburg oder Berlin, ca. 10 Wagen. Wenn man mittendrin ist, fühlt es sich aber genau so an wie jeder andere CSD auch.

Etwas Politik muss auch sein, schliesslich ist der CSD auch eine Demonstration für die Rechre Homosexueller.
Lokalkolorit 1: Der Wagen der schwulen Offiziere der Schweizer Armee:

Lokalkolorit 2: Heidi ist auch schwul:

Ansonsten das übliche: Transen...

... Lesben ...

... und irritierte Autofahrer, die nicht wussten, dass heute die Innenstatt gesperrt ist und sich nun zwischen all den Tunten wiederfinden. Dieser Oldtimer-Fahrer ist beim Anblick eines Homosexuellen (man beachte die Dose Prosecco) besonders schockiert:

Der Zug führt am Fraumünster vorbei...

.. und am HB durch eine Unterführung. Den CSD durch einen Tunnel führen, die Anwesenden sprechen vom grössten Darkroom in Zürich.
Es geht aber alles ganz gesittet zu.

Dani, Tim und Igor, unser Quotenjugo. :-)
Brandon und Ralph.
Nach der Parade fängt es an zu regnen und deswegen fallen wir mit etwa zehn Leuten unangemeldet bei Bekannten von Reto ein, die in einem schicken Penthouse gleich am HB wohnen. Nachdem die Gastgeber zunächst etwas schockiert ob der vielen fremden Homoletten sind, lassen sie uns dann doch ihren Champagnervorrat austrinken, während es draussen aufhört zu regnen.
Danach gehts zum Turbinenplatz hiterm Schiffbau, wo ein ganz fantastisches und riesengrosses Strassenfest das Ende des CSDs markiert. Sowohl drinnen...
...als auch draussen.

Wir sind inzwischen alle nicht mehr ganz nüchtern.

Auf der Bühne tritt eine Dame auf, die aussieht wie ein Supermodel und auflegt wie eine junge Göttin. Die Masse tobt.

Es wird spät.
Ich schlage mich als letzter Überlebender zur alternativen Abschlussparty im Stall 6 durch, wo mir aber nach kurzem Aufenthalt die Kräfte schwinden.
Ein toller Tag! Daumen hoch für Zürich!
Es folgt die Parade. Viel kleiner als in Hamburg oder Berlin, ca. 10 Wagen. Wenn man mittendrin ist, fühlt es sich aber genau so an wie jeder andere CSD auch.
Etwas Politik muss auch sein, schliesslich ist der CSD auch eine Demonstration für die Rechre Homosexueller.
Lokalkolorit 2: Heidi ist auch schwul:
Ansonsten das übliche: Transen...
... und irritierte Autofahrer, die nicht wussten, dass heute die Innenstatt gesperrt ist und sich nun zwischen all den Tunten wiederfinden. Dieser Oldtimer-Fahrer ist beim Anblick eines Homosexuellen (man beachte die Dose Prosecco) besonders schockiert:
Der Zug führt am Fraumünster vorbei...
Nach der Parade fängt es an zu regnen und deswegen fallen wir mit etwa zehn Leuten unangemeldet bei Bekannten von Reto ein, die in einem schicken Penthouse gleich am HB wohnen. Nachdem die Gastgeber zunächst etwas schockiert ob der vielen fremden Homoletten sind, lassen sie uns dann doch ihren Champagnervorrat austrinken, während es draussen aufhört zu regnen.
Wir sind inzwischen alle nicht mehr ganz nüchtern.
Es wird spät.
Dienstag, 29. April 2008
Die tägliche Hetze der SVP
In Zürich ist mal wieder Wahlkampf. Es wird ja ständig über irgendetwas abgestimmt in der Schweiz, seien es Parlamente, Kammern, Vertreter, Volksentscheide oder Initiativen, deswegen ist eigentlich immer Wahlkampf. Das hat den Vorteil, dass ich in der Schweiz noch nie Gepöbel gegen "Die [Politiker] da oben" gehört habe. Jeder kennt hier irgendeinen Politiker persönlich und die Schweizer Bevölkerung macht in meinen Augen ein politisch aktiven und informierten Eindruck, jedenfalls im Vergleich zu meinem Heimatland.
Die politische Freiheit treibt bei den Eidgenossen allerdings auch hässliche Blüten. Die neueste Aktion meiner Lieblingspartei SVP macht mich besonders fassungslos. Die SVP hat sich folgendes ausgedacht: Jede Gemeinde soll in Zukunft selbst entscheiden können, welches Gremium über einen Einbürgerungsantrag in der Gemeinde entscheidet. Das kann zum Beispiel die Gemeinde selber sein. Entscheidungen über eine Einbürgerung sollen vom bestimmten Gremium ohne Begründungspflicht möglich sein, die Entscheidung kann in geheimer Abstimmung erfolgen und ist endgültig und nicht vor Gericht anfechtbar. Das soll "Masseneinbürgerungen" verhindern. Das ganze heisst Einbürgerungsinitiative. Und so wird sie beworben, die Einbürgerungsinitiative der SVP: In einer gezeichneten Schachtel liegen lauter Schweizer Pässe. Aus der Dunkelheit um die Schachtel strecken sich gelbliche, hell- und dunkelbraune Hände, die nach den Pässen greifen. Darüber ganz gross das Wort STOP:
So leuchtet es mir entgegen, wenn ich morgens am Bahnhof auf meine S-Bahn warte. Oder auf dem Weg zum Einkaufen:
Hier wirds besonders schizophren, da das Plakat links daneben mit einem schwarzen Schweizer Nationalspieler wirbt.
Diese Plakate sind in meinen Augen die aller übelste ausländerfeindliche Propaganda. "Die Ausländer" werden als verallgemeinerte und abstrakte Bedrohung dargestellt, die dieses Land massenweise bedrohen. In Deutschland gibt es nur eine Partei, die so ein Plakat drucken würde (man beachte die dominanten Farben schwarz, rot und weiss): die NPD. Bei der NPD sind sich aber alle mit einem IQ über Zimmertemperatur darüber im klaren, dass es sich um eine gefährliche, antidemokratische und rechtsextreme Partei handelt, die vom Verfassungsschutz überwacht wird und im Verdacht steht, nicht verfassungskonform zu sein. In der Schweiz hingegen kann eine Partei, die bei der letzten Parlamentswahl 30% der Stimmen erhalten hat, so etwas plakatieren, ohne dass es einen nennenswerten Aufschrei gäbe. Das finde ich skandalös. Was für ein Land ist das hier eigentlich?
Obwohl es in der Schweiz den Straftatbestand der Volksverhetzung nicht gibt, liesse sich meiner Meinung nach mit dem Artikel 261 (Rassismus-Strafnorm) des schweizerischen Strafgesetzbuches gegen solche Propaganda vorgehen. Darin heisst es nämlich:
Der abgewählte Bundesrat Christoph Blocher begründet die Einbürgerungsinitiative in einem Interview mit der Gratiszeitung .ch so:
Ich bin wirklich fassungslos. Dass die Schweiz solche Blüten hervorbringt, die dann noch von einem drittel der Wähler gewählt werden, macht ein Drittel dieses Landes für mich unsympathisch. Dieses Plakat ekelt mich an. Wehret den Anfängen sag ich nur. Mannmannmann.
Die politische Freiheit treibt bei den Eidgenossen allerdings auch hässliche Blüten. Die neueste Aktion meiner Lieblingspartei SVP macht mich besonders fassungslos. Die SVP hat sich folgendes ausgedacht: Jede Gemeinde soll in Zukunft selbst entscheiden können, welches Gremium über einen Einbürgerungsantrag in der Gemeinde entscheidet. Das kann zum Beispiel die Gemeinde selber sein. Entscheidungen über eine Einbürgerung sollen vom bestimmten Gremium ohne Begründungspflicht möglich sein, die Entscheidung kann in geheimer Abstimmung erfolgen und ist endgültig und nicht vor Gericht anfechtbar. Das soll "Masseneinbürgerungen" verhindern. Das ganze heisst Einbürgerungsinitiative. Und so wird sie beworben, die Einbürgerungsinitiative der SVP: In einer gezeichneten Schachtel liegen lauter Schweizer Pässe. Aus der Dunkelheit um die Schachtel strecken sich gelbliche, hell- und dunkelbraune Hände, die nach den Pässen greifen. Darüber ganz gross das Wort STOP:
So leuchtet es mir entgegen, wenn ich morgens am Bahnhof auf meine S-Bahn warte. Oder auf dem Weg zum Einkaufen:
Hier wirds besonders schizophren, da das Plakat links daneben mit einem schwarzen Schweizer Nationalspieler wirbt.Diese Plakate sind in meinen Augen die aller übelste ausländerfeindliche Propaganda. "Die Ausländer" werden als verallgemeinerte und abstrakte Bedrohung dargestellt, die dieses Land massenweise bedrohen. In Deutschland gibt es nur eine Partei, die so ein Plakat drucken würde (man beachte die dominanten Farben schwarz, rot und weiss): die NPD. Bei der NPD sind sich aber alle mit einem IQ über Zimmertemperatur darüber im klaren, dass es sich um eine gefährliche, antidemokratische und rechtsextreme Partei handelt, die vom Verfassungsschutz überwacht wird und im Verdacht steht, nicht verfassungskonform zu sein. In der Schweiz hingegen kann eine Partei, die bei der letzten Parlamentswahl 30% der Stimmen erhalten hat, so etwas plakatieren, ohne dass es einen nennenswerten Aufschrei gäbe. Das finde ich skandalös. Was für ein Land ist das hier eigentlich?
Obwohl es in der Schweiz den Straftatbestand der Volksverhetzung nicht gibt, liesse sich meiner Meinung nach mit dem Artikel 261 (Rassismus-Strafnorm) des schweizerischen Strafgesetzbuches gegen solche Propaganda vorgehen. Darin heisst es nämlich:
Wer öffentlich gegen eine Person oder eine Gruppe von Personen wegen ihrer Rasse, Ethnie oder Religion zu Hass oder Diskriminierung aufruft, wer öffentlich Ideologien verbreitet, die auf die systematische Herabsetzung oder Verleumdung der Angehörigen einer Rasse, Ethnie oder Religion gerichtet sind, wer mit dem gleichen Ziel Propagandaaktionen organisiert, fördert oder daran teilnimmt, wer öffentlich durch Wort, Schrift, Bild, Gebärden, Tätlichkeiten oder in anderer Weise eine Person oder eine Gruppe von Personen wegen ihrer Rasse, Ethnie oder Religion in einer gegen die Menschenwürde verstossenden Weise herabsetzt oder diskriminiert ...,wird mit Gefängnis oder mit Busse bestraft.Nach meinem Laienverständnis wäre eine Prüfung hier angezeigt, jedenfalls solange es den Paragraphen noch gibt. Christoph Blocher (SVP) wollte den Paragraphen in seiner Zeit als Justizminister "überprüfen" lassen und:
Am 7. August 2007 lancierten die Schweizer Demokraten eine eidgenössische Volksinitiative Für freie Meinungsäusserung - weg mit dem Maulkorb!, die beabsichtigt, die Rassismus-Strafnorm ersatzlos aus dem Strafgesetzbuch zu streichen. Die Frist für die Unterschriftensammlung wird am 07. Februar 2009 ablaufen.Der Ausländeranteil in der Schweiz betrug im Dezember 2007 21.1% (Quelle), das ist im Vergleich zum Stand von 1987 (15.2%) ein Zuwachs von 5.9%. Das könnte auf den ersten Blick für eine Zuwanderungswelle sprechen, aber die Berechnungsvorschriften wurden 2001 geändert und seit 2007 werden im Rahmen der Personenfreizügigkeit mit der EU-15 viele Menschen als Ausländer gezählt, die vorher als Kurzaufenthalter nicht in der Statistik auftauchten. Schaut man sich die Entwicklung der Ausländeranteils an der Schweizer Bevölkerung mit Bezug auf das Schweizerische Bevölkerungswachstum an, so sieht das nicht nach Zuwanderungswelle aus:
Der abgewählte Bundesrat Christoph Blocher begründet die Einbürgerungsinitiative in einem Interview mit der Gratiszeitung .ch so:.ch: Die Bedingungen für Einbürgerung sind in vielen EU-Ländern weniger hoch. Diese Länder haben viel weniger Ausländer als die Schweiz und bürgern daher viel weniger ein. Kennen Sie Fälle, in denen es zu leichtfertigen Einbürgerungen kam?Was hat Herr Blocher eigentlich für ein Verständnis von Rechtsstaatlichkeit? Wenn die Schweiz ein Rechtsstaat ist, und davon gehe ich jetzt mal aus, dann müssen Entscheidungen, die ein öffentliches Organ fällt, vom Bürger vor Gericht anfechtbar sein, sonst ist der Willkür Tür ud Tor geöffnet. Wenn eine Gemeinde geheim eine Entscheidung ohne Begründung fällen kann, die vor Gericht nicht anfechtbar ist, so hat das für mich mit Rechtsstaatlichkeit nicht mehr viel zu tun. Aber das ist Herrn Blocher offensichtlich völlig egal:
Blocher: Ja natürlich. Aber die Sache ist doch klar: Die Behörden haben neuerdings Angst, dass aus einem ablehnenden Einbürgerungsentscheid ein Gerichtsfall wird. Deshalb bürgert man im Zweifel ein, um keine Probleme vor Gericht zu haben. Viele Personen werden kriminell, kaum sind sie eingebürgert. Sind sie eingebürgert, können wir sie nicht mehr ausweisen.
.ch: Wenn es keine Begründung braucht, öffnen wir der Willkür Tür und Tor.Dass Bürger verantwortungsvolle Menschen sind, die im Zweifel solche Entscheidungen am besten fällen können, hat die Geschichte in vielen Beispielen ja eindrucksvoll gezeigt.
Blocher: Die Bürger sind verantwortungsvolle Menschen. Aber sie sind bei den Einbürgerungen zurückhaltend. Sie verlangen Integration. Schon heute gibt es kaum ein Land, das so viel einbürgert wie die Schweiz. Wer bei uns eingebürgert wird, kann nicht nur wählen, sondern auch abstimmen.
Ich bin wirklich fassungslos. Dass die Schweiz solche Blüten hervorbringt, die dann noch von einem drittel der Wähler gewählt werden, macht ein Drittel dieses Landes für mich unsympathisch. Dieses Plakat ekelt mich an. Wehret den Anfängen sag ich nur. Mannmannmann.
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