Dienstag, 21. Oktober 2008

Eine Frage der Einstellung

Das Schweizer Magazin "Der Beobachter" hat einen Artikel über Deutsche Einwanderer in der Schweiz verfasst. Deren Zustrom ist nach wie vor ungebrochen; 43% der Deutschen Arbeitnehmer könnten sich vorstellen, in der Schweiz zu arbeiten. 22,5% aller deutschen Arbeitsnomaden, die die Bundesrepublik verlassen, um im Ausland zu arbeiten, gehen in die Schweiz. Damit ist die Schweiz das beliebeste Auswanderungsland für die Deutschen. Das macht sich langsam in der Schweiz bemerkbar: In der Stadt und dem Kanton Zürich stellen die Deutschen inzwischen die grösste Ausländergruppe dar (siehe Beobachter-Artikel). Ich bin einer von ihnen. Die Deutschen Einwanderer sind in der Regel gut ausgebildete Akademiker.

Der Beobachter argumentiert nun, dass die zunehmende Konkurrenz zwischen Schweizern und zugewanderten Deutschen das Verhältnis zwischen den Arbeitskollegen belastet. Und stellt einige Fragen, die er nicht beantwortet und die im Raum stehen bleiben:
Ist, wer etwas sagt, ein Rassist? Die Zuwanderer sorgen für diffuses Unbehagen. ... Doch ist, wer sich über eine hochdeutsche Ansage [in Bussen und Trams ver VBZ] ärgert, schon ein Fremdenfeind? Ist, wer die Konkurrenz gutausgebildeter Deutscher beklagt, ein Fremdenfeind?
Tja, ist er? Da diese Fragen nicht beantwortet werden stellt sich bei mir beim Lesen der Eindruck ein, dass all diese Fragen vom Autor des Artikels implizit mit "Nein" beantwortet werden. Und das finde ich brandgefährlich. Zwei Beispiele dieses Artikels für das angebliche Problem der Schweizer mit den Deutschen haben mich besonders verärgert:

Erstens:
Vergangenen Winter stach Stefan Fischer, der Präsident des Zürcher Studentenrats, in ein Wespennest, als er die «Germanisierung» der Universität beklagte. Nach massiver Kritik musste er zurücktreten. Anlass des «Germanisierungs»-Vorwurfs war die Neubesetzung von acht Professuren, berufen wurden ausschliesslich Deutsche.
Und das soll ein Beispiel für die Germanisierung sein? Wer schon mal in einer Berufungskommission mitgearbeitet hat, weiss genau, dass die Nationalität eines Bewerbers bei der Besetzung einer Professur überhaupt keine Rolle spielt. Das läuft nach klaren Kriterien: Publikationen, Drittmittel, Lehre. Wenn acht Professuren mit Deutschen besetzt werden, dann bedeutet das schlicht, dass das die besten Bewerber waren. Punkt. Die NZZ hat dazu einige intelligente Zeilen geschrieben:
In der Regel aber sind Dozierende und Forschende mit anderem Hintergrund eine Bereicherung für eine Hochschule, wenn diese es versteht, deren Vorstellungen und Erfahrungen von Lehre und Forschung gewinnbringend zu integrieren. Der Universität Zürich gelingt das nicht schlecht. Interne Konkurrenz unter Professoren, umstrittene Berufungsverfahren und Eitelkeiten bringen es zwar mit sich, dass meistens Negativbeispiele die Runde machen. Solche gäbe es allerdings auch von einheimischen Professorinnen und Professoren zu berichten. Schweizer allein aufgrund ihrer Nationalität zu bevorzugen, darf sich die Universität Zürich nicht leisten.
Also: Blödsinn. Zweitens:
Viele Deutsche berichten auch über Diskriminierung im öffentlichen Raum. Einige vermeiden es sogar, im Tram zu telefonieren - aus Angst, als Deutsche identifiziert und angepöbelt zu werden. Ein Betroffener erzählt von einem Vorfall in einer Bäckerei. Er: «Ich kriege ein Brötchen.» Die Verkäuferin: «Sie kriegen hier gar nichts.» Christian Leschzyk von der Imageagentur Stilgerecht im Appenzellischen rät Deutschen in der Schweiz ernsthaft, sich zurückhaltender zu geben, zum Beispiel, sich in einer Gruppe auch mal erst als Zweiter zu melden, «Kollegen freundlich um etwas zu bitten, statt in einem Befehlston etwas anzuordnen», und daran zu denken, dass Hochdeutsch direkt und hart wirke.
Das ist doch allerletzte. Wir sollen beachten, dass Hochdeutsch direkt und hart wirkt? Welche Alternative haben wir denn zum Hochdeutsch? Die grosse Mehrheit der Schweizer, mit denen ich gesprochen habe, hat mir davon abgeraten, Schweizerdeutsch zu lernen. Das würde man nicht machen. Es gäbe nichts peinlicheres, als Deutsche, die versuchen, Schweizerdeutsch zu sprechen. Man kann uns nicht gleichzeitig davon abraten, Schweizerdeutsch zu lernen, und uns gleichzeitig dafür kritisieren, dass wir Hochdeutsch sprechen! Was sollen wir denn machen, Zeichensprache vielleicht? Entweder man lässt uns die hiesige Sprache lernen oder beschwert sich nicht über das Hochdeutsch. Aber in dieser Form ist die Kritik wirklich das allerletzte. Also: auch Blödsinn, so wie der ganze Artikel.

Um eins klarzustellen: Ich habe noch nie offene Ablehnung von Schweizern aufgrund meiner Herkunft erlebt. Aber in den Schweizer Medien nimmt dieser Diskurs eine Menge Raum ein und wird dadurch immer wieder zum Thema. Beim Mittagessen oder beim Bier. Und so bin ich auf abstrakte Weise immer wieder mit diesem Thema konfrontiert. Und das erzeugt bei mir ein ungutes Gefühl. Das Nervt einfach. Vielleicht wäre das "Problem mit den Deutschen" viel weniger ein Problem, wenn die Journallie nicht ständig darüber schreiben würde.

Samstag, 13. September 2008

Das sagt der Experte

Das kommt dabei heraus, wenn man zu Geschlechterthemen forscht: Jetzt durfte ich mein erstes kleines Interview als Experte in Sachen Frauen geben, hihi. Das Magazin der grössten Schweizer Supermarktkette Migros hat eine Doku zum Thema Gewalt gegen Frauen in Uniform gebracht und ich durfte auch meinen Senf dazu geben. Meinen Namen haben sie natürlich falsch geschrieben, aber dafür hats immerhin ein Foto von mir auf der vierten Seite der Print-Version des Artikels. Hier gehts zu Seiten 1, 2 und 3.

Anzumerken wäre noch, dass ich das alles so nicht gesagt habe. Ich ärgere mich darüber, dass es da so klingt, als würde ich das Verhalten der aggressiven Männer ausschliesslich über ein stabiles Merkmal bzw. einen stabilen Charakterzug erklären ("Machos"). Ich habe mehrmals betont, wie wichtig situationale Faktoren für das Entstehen von verbaler Gewalt sind, aber das fanden die offenbar nicht so druckbar. Merke: Interviews vor Veröffentlichug gegenlesen.

Mittwoch, 20. August 2008

Freitag, 15. August 2008

Schweizer Gratissperrmüll

Wenn der Schweizer einen Einrichtungsgegenstand nicht mehr braucht, dann trägt er ihn nicht immer zur Sperrmülltram, wie es sich eigentlich in Zürich gehört. Manchmal stellt der Schweizer nicht mehr benötigte Möbelstücke einfach auf die Strasse. Und macht ein Schild daran, auf dem steht meistens: GRATIS ZUM MITNEHMEN. So wie hier (das GRATIS steht unleserlich oben rechts):

Auf solche oder ähnliche Weise sind mir schon Sofatische, Schränke, Beistelltische, Monitore, Sonnenbänke (!) und Lautsprecher angeboten worden. Natürlich alles gratis. Nicht, dass ich davon irgendetwas mitgenommen hätte. Ich frage mich nun was dieses Schild soll. Dient es nur der Erleichterung des Gewissens des Stadtvermüllers, der sich so weniger wie jemand fühlt, der einfach seinen Schrott im öffentlichen Raum verklappt? Oder hat das hier Tradition und die Leute nehmen das Zeug wirklich mit? Und vor allem: Würden die Leute den gefühlten Gegenwert in Schweizer Franken im Gegenzug an die Bordsteinkante legen, wenn auf den Schildern nicht gross GRATIS stehen würde?

Mein Blog hat mir ein iPhone beschert

Bloggen ist super. Ich hatte mich hier neulich lautstark darüber beschwert, dass mich mein Schweizer Mobilfunkanbieter Orange nicht von einer Orange-Prepaidkarte zu einem Orange-iPhone wechseln lässt. Weil es offensichtlich irgendwie nicht vorgesehen war.

Mein Super-Chef Heinz hat einen Link zu meinem Post an ein Hohes Tier bei Orange geforwardet, das er kennt (Heinz kennt alle hohen Tiere in der Schweiz ;-)). Mit dem Erfolg, dass ich zwei Tage nach meinem Post einen Anruf von Herrn Rümi vom Orange Customer Care bekam. Herr Rümi hat sich für all das Ungemach entschuldigt und mir für die nächste Woche ein iPhone versprochen, das ich seit vorgestern in den Händen halte. Grosse Freude. Daumen hoch für Orange (und für Heinz).

Donnerstag, 7. August 2008

Stararchitekt in spe

Mein Gatte Daniel hat endlich eine Homepage, auf der man sich seine tolle Architektur ansehen kann. Ich finde sie ganz fantastisch. Wenn es mit meiner Karriere nicht klappt, klappt es bestimmt mit seiner.

Montag, 4. August 2008

iPhone kafkaesque: Als Orangeclick-Kunde kann ich kein Orange-iPhone kaufen

Ich stelle mich am 11.07. um 8h morgens beim Orange-Center in Oerlikon in die Schlange, um
ein iPhone zu bekommen. Davon gibt es sogar Fotos. Kurz bevor ich dran bin, ist es leider ausverkauft. Ich warte ein paar Wochen. Ich gehe wieder ins Orange-Center Oerlikon. Ob ich ein iPhone (weiss, 16 GB) reservieren könne. Nein, das geht im Laden nicht mehr, wegen der hohen Nachfrage, das müssen sie online machen. Also gehe ich auf die Orange-iPhone-Seite, um mir dort ein iPhone zu kaufen. Ich habe bereits bei Orangeclick, dem Pre-Paid-Ableger von Orange, eine Prepaidkarte und würde die Nummer gerne auf meinen iPhone-Vertrag portieren. Kann ja nicht so schwer sein. Weit gefehlt.

Die Orange-iPhone-Bestellwebseite empfängt mich mit der Frage, ob ich bereits Orange-Kunde sei. Naiv wie ich bin, klicke ich auf "ich bin schon Orange Kunde", denn erstens habe ich ja Orangeklick, und zweitens habe ich zu Hause ADSL von Orange. Ich werde weitergeleitet und soll Nutzername und Passwort eingeben. Huch? Habe ich nicht. Ich klicke auf "registrieren". Da wollen sie meine Handynummer. Gebe ich ein:

Die Registrierung ist Orange Kunden vorbehalten. Bitte setzen Sie sich kostenlos mit unserem Kundendienst unter der Nummer 0800 700 700 in Verbindung. Falls Sie schon über ein 'orangeclick.ch' Konto verfügen, loggen Sie sich bei orangeclick.ch ein, um Ihr Konto online zu verwalten.

Oh. Wie blöd. Denn auf orangeclick.ch kann ich zwar mein Prepaid-Konto verwalten, aber kein iPhone bestellen. Also gelte ich für Orange offenbar nicht als Kunde. Naja, egal, dann klicke ich auf der iPhone-Bestellseite eben auf "ich bin noch nicht Orange Kunde" (obwohl ich mich als solcher fühle).

Ich lande im Handy-Shop von Orange, wähle das weisse 16 GB iPhone aus, 24 Monate iPhone Optima 30, ärgere mich, dass mir die 50 Franken Rabatt, die ich beim Umtausch meines alten Nokia 6680 im Shop bekommen hätte, durch die Lappen gehen, ärgere mich, dass mir die 40 Franken Rabatt für Orange-Kunden durch die Lappen gehen und darüber, dass die SIM-Karte noch mal 40 Franken kosten soll. Insgesamt habe ich am Schluss 289,- Franken auf der Uhr. Aber nun gut. Ich gehe "zur Kasse" und klicke auf "die jetzige Mobiltelefon Nummer behalten". Ich lande hier:


Ich kann zwar meine Nummer eingeben, aber Orangeclick ist nicht in der Liste der Anbieter. Ich lasse den Anbieter frei, gebe meine Daten ein und klicke auf "weiter". Nix da:

Geben Sie bitte einen Wert in das folgende Feld ein:
Bisheriger Anbieter

Uaaahh! Orange lässt es nicht zu, dass ich als Orangeclick-Kunde ein iPhone bestelle und meine alte Nummer behalte. Kunden des eigenen Prepaid-Angebotes können kein iPhone bestellen. Jedenfalls nicht, wenn sie ihre Nummer behalten wollen.

Das ist sowas von bescheuert. Orange kafkaesque. Wollen die mein Geld nicht?

UPDATE: Dieser Post hat mir binnen 7 Tagen ein Orange iPhone beschert. :-)