Sonntag, 23. Januar 2011

Die "Minarett-Initiative" bestätigt die Kontakthypothese

Einer meiner Studenten kann mit Daten vom Schweizer Bundesamt für Statistik zeigen, dass vor allem in den Gemeinden für das Minarettverbot gestimmt wurde, in denen der Ausländeranteil gering ist. Daraus kann man den Schluss ziehen, dass besonders diejenigen Angst vor Ausländern haben, die gar keinen Kontakt mit ihnen haben. Das hatte Alport bereits in den 50er Jahren vermutet, als er seine Kontakthypothese aufstellte. Diese besagt, dass unter bestimmten Bedingungen ein Intergruppenkontakt zwischen Mitgliedern der Mehrheit mit Mitgliedern der Minderheit dabei helfen kann, Vorurteile und Ängste gegenüber der Minderheit abzubauen.
Ein schönes Beispiel dafür, dass bei der "Minarettinitative" mit abstrakten Ängsten der Leute gespielt wurden, und dass die Leute eben nicht für das Minarettverbot stimmten, weil sie schlechte Erfahrungen mit Ausländern gemacht haben.

Mittwoch, 19. Januar 2011

Neulich vor der Mata Hari Bar:

ich stehe mit einer Baslerin vor der Tür und unterhalte mich über den Ausgang in Zürich. Sie meint, dass sie ungern in Zürich ausgeht, weil die Zürcher ihren Akzent nicht mögen und sie das immer so spüren liessen. Darauf ich zu ihr, was soll ich denn sagen, mein Hochdeutsch führt bei Zürchern auch nicht zu Begeisterungsstürmen. Darauf dreht sich ein besoffener und mir unbekannter Typ, der mit seinen zwei Kumpels raucht, zu mir und meint: "Stimmt. Arschloch."

Witzig.

Freitag, 4. Juni 2010

Typisch Mann - typisch Frau

Das Schweizer Wissenschaftsmagazin "Einstein" (Donnerstags 21h auf SF 1) hat gestern einen kurzen Beitrag zu einem unserer Experimente zu Stereotype Threat gebracht:
Einstein vom 03.06.2010

Samstag, 14. November 2009

Aus dem Kontext gerissen: Eine Meldung zu einer Facebook-Studie und ihre Geschichte

Unsere Studie gibt die Interpretation, dass "Facebook-Verweigerer" (Morgenpost) mehr Berufserfolg als Facebook-Nutzer hätten, nicht her.

Im Jahr 2007 publizierten Ellison, Steinfield und Lampe eine Studie [1], in der sie einen Zusammenhang zwischen der Nutzungsintensität der Online-Plattform Facebook und dem sozialen Kapital von amerikanischen College-Studenten feststellten. Dies könne sich wiederum positiv in anderen Lebensbereichen auswirken. Zitat: "our findings demonstrate a robust connection between Facebook usage and indicators of social capital, especially of the bridging type. ... Such connections could have strong payoffs in terms of jobs, internships, and other opportunities" (S. 1164).

Meine Studentin Anett Cepela kam auf die Idee, die Studie zu replizieren. Mich wunderte an der Original-Studie, dass die Autoren die Nutzung von Facebook als unabhängige Variable verwendeten, d.h., die Nutzungsintensität von Facebook nicht mit weiteren Variablen erklärten.

Ich schlug daraufhin vor, die Studie um einen Persönlichkeitsfragebogen zu erweitern. Wir erstellten einen neuen Fragebogen, der die Skalen der Originalautoren verwendete: Facebook-Nutzungsintensität, soziales Kapital (bridging, bonding, maintaining), Selbstwert, und Lebenszufriedenheit. Zusätzlich enthielt er die "Big Five" Persönlichkeitsmerkmale Extraversion, Neurotizismus, Gewissenhaftigkeit, Verträglichkeit und Offenheit. [2]. Der Fragebogen war so gestaltet, dass zu Anfang gefragt wurde, ob man ein Profil auf Facebook habe. Wurde diese Frage mit Nein beantwortet, wurde gefragt, ob ein Profil auf einer anderen Plattform bestünde. Es folgten die Fragen zur Nutzungsintensität von Facebook oder, alternativ bei den Nutzern anderer Plattformen, zur Nutzungsintensität der am häufigsten genutzten Plattform. TeilnehmerInnen, die nirgends ein Profil hatten, wurden nicht nach Nutzungsintensität gefragt, konnten aber die anderen Skalen des Fragebogens beantworten. Die Zürcher Pendlerzeitung "20 Minuten" druckte einen Aufruf zur Teilnahme in ihrer Printausgabe.

Ca. 1000 Personen füllten den Fragebogen zumindest teilweise aus. Wir erhielten 681 vollständig ausgefüllte Fragebögen, davon 345 von weiblichen und 336 von männlichen Personen. Das Alter unser Befragten reichte von 13 bis 89 Jahre, mit einem Durchschnittsalter von 27 Jahren. 573 der Befragten gaben an, ein Profil bei Facebook zu haben. Davon hatten mehr als die Hälfte (335) noch ein Profil auf einem anderen sozialen Netz (z.B. mySpace oder XING). 46 der Befragten hatten kein Profil bei Facebook, aber bei einem anderen Netzwerk. Nur 62 Personen gaben an, überhaupt kein Profil auf irgendeinem sozialen Netzwerk zu haben. Letztere waren im Durchschnitt 37 Jahre alt, die Nutzer von sozialen Netzwerken waren im Durchschnitt 26 und gaben an, im Durchschnitt 187 Freunde auf ihrem meistbenutzten sozialen Netzwerk zu haben.

Wir haben anschliessend für die Nutzer von sozialen Netzwerken analysiert, welche Faktoren ihre Lebenszufriedenheit beeinflussen. Genau genommen haben wir ein Strukturgleichungsmodell in LISREL mit den latenten Variablen Extraversion, soziales Kapital, Facebooknutzung und Lebenszufriedenheit berechnet. Wir verwendeten zur Parameterschätzung den WLS-Algorithmus für ordinal skalierte Daten [3].

Im Ergebnis zeigt sich tatsächlich, dass eine höhere Nutzungsintensität (mehr Freunde, mehr Zeit auf der Plattform) dazu führt, dass die Nutzer über mehr soziales Kapital verfügen und zufriedener sind, wenn man ihre Persönlichkeit ausser acht lässt. Nimmt man jedoch die Extraversion als Persönlichkeitseigenschaft in die Berechnung auf, verschwinden die Zusammenhänge fast gänzlich: Je stärker die Extraversion eines Menschen, desto mehr soziales Kapital hat er, und desto mehr ist er auf Facebook unterwegs und desto zufriedener ist er. Aber diese drei Dinge hängen vor allem von der Persönlichkeit ab. Die Effekte der Facebook-Nutzung auf das soziale Kapital und auf die Lebenszufriedenheit sind unter Berücksichtigung der Effekte der Extraversion kaum vorhanden. Genau gesagt: Der standardisierte ß-Koeffizient zwischen Facebook-Nutzung und bridging social capital beträgt in Gegenwart der Extraversion nur 0.08. Laut Cohen [4] kann man bei Korrelationen unter .10 nicht mal mehr von einem schwachen Effekt sprechen.

Das war das zentrale Ergebnis unserer Studie. Dieses Ergebnis halte ich statistisch für abgesichert und belastbar. Die Ergebnisse stehen somit im Widerspruch zu den Ergebnissen der Amerikaner.

Leider habe ich mich dazu hinreissen lassen, die 62 Personen in unserer Stichprobe, die nicht auf Facebook sind, mit den 619 Nutzern von sozialen Netzwerken (573 Facebooknutzer + den 46 Nutzer anderer Netze, die nicht auf Facebook sind) explorativ zu vergleichen. Es zeigte sich eine leicht erhöhte durchschnittliche Lebenszufriedenheit bei den Nicht-Nutzern (M = 5.39) als bei den Nutzern (M = 5.11, t(74.16) = 1.83, p = .07, Cohens d = 0.24). Dies war nicht auf Alterseffekte zurückzuführen, da Alter und Lebenszufriedenheit in der Gesamtstichprobe schwach negativ zusammen hingen (ß = -.06, p = .08). Der Unterschied zwischen den Gruppen in der Persönlichkeitseigenschaft Gewissenhaftigkeit fiel etwas deutlicher zugunsten der Nicht-Nutzer aus (t(73.70) = 2.36, p = .02, Cohen's d = .32). Allerdings gab es in der Gesamtstichprobe einen schwachen positiven Zusammenhang zwischen Alter und Gewissenhaftigkeit (ß = .12, p = .001). Deshalb kann dieser sowieso kleine Effekt auf das Alter der Teilnehmer in den unterschiedlichen Nutzergruppen zurück geführt werden. Alle Analysen, die ich in diesem Absatz berichtet habe, habe ich explorativ gerechnet. Die Effekte sind schwach und aufgrund der sehr kleinen Gruppe der Nicht-Nutzer (62 Personen) nicht belastbar. Von Repräsentativität ganz zu schweigen.

Nun habe ich einer Mitarbeiterin unser Kommunikationsabteilung ein Interview zu den Ergebnissen unserer Studie gegeben, deren Ergebnisse noch nicht mal publiziert sind. Das war wahrscheinlich mein zweiter Fehler. Der dritte Fehler war, im Interview nicht nur die belastbaren Ergebnisse zu berichten, sondern auch die explorativen. Ich habe dabei auch Studienergebnisse von dritter Seite berichtet [5], die einen Zusammenhang zwischen Gewissenhaftigkeit und Berufserfolg herstellen. Ich habe mich dabei zu der Aussage hinreissen lassen, dass man vermuten könnte, dass Facebook-Nutzer weniger Gewissenhaft seien und weniger Berufserfolg hätten, als Nicht-Nutzer. Ich habe das sofort relativiert, indem ich auf den Alterseffekt und auf die sehr kleine Gruppe der Nicht-Nutzer hingewiesen habe. In dem Artikel, den die Kommunikationsabteilung unserer Universität geschrieben hat, wurden die explorativen Ergebnisse auch erst am Schluss berichtet. Dort steht:
Und wie fühlen sich die Nicht-Nutzer von Facebook? Von den total 681 Befragten hatten 46 kein Profil bei Facebook, jedoch bei einem anderen Netzwerk, und 62 gaben an, überhaupt kein Profil auf irgendeinem sozialen Netzwerk zu haben.
«Aufgrund der kleinen Anzahl der Teilnehmer gänzlich ohne Facebook-Erfahrung muss man die Aussagen zu dieser Gruppe mit Vorsicht geniessen», warnt Meyer. Doch könne man sagen, dass der sich abzeichnende Trend eine interessante Implikation habe: Mehrere Studien zeigen, dass Gewissenhaftigkeit – eines der Big-Five-Merkmale – positiv mit dem Berufserfolg zusammenhängt.

Die Ergebnisse der Facebook-Studie legen nun nahe, dass die Nicht-Nutzer eher gewissenhaft sind. Daraus könne man rückfolgern, dass engagierte Facebook-Nutzer weniger Berufserfolg haben als solche, die Facebook wenig oder gar nicht nutzen. «Denn Menschen, die nicht auf sozialen Netzwerken sind, sind gewissenhafter und sie haben in der Regel mehr Berufserfolg», so Meyer. Allerdings sind sie auch älter als die Facebook-Nutzer, was bei diesen Ergebnissen eine Rolle spielen könnte. Weitere Studien sollen mehr Klarheit bringen.
Das ist so weit in Ordnung. Der Satz «Denn Menschen, die nicht auf sozialen Netzwerken sind, sind gewissenhafter und sie haben in der Regel mehr Berufserfolg» gilt natürlich nur in den genannten Beschränkungen. Ich wünschte nur, ich hätte ihn so nicht stehen lassen. Die Presse hat den Bericht aufgegriffen. Aus "Facebook allein macht nicht glücklich" wurde erst "Facebook macht nicht glücklich". Beim Tagesanzeiger konnte ich den entsprechenden Artikel noch korrigieren lassen, aber die Agenturmeldung der SDA war nicht mehr aufzuhalten. Auf Google News finden sich schon 37 Meldungen, wenn man nach "Universität Zürich Facebook Studie" sucht. Die Studie wurde von den Medien gierig aufgenommen und auf den verhängnisvollen Satz reduziert:

"Erfolgreicher im Beruf - ohne Facebook" (Berliner Morgenpost)

"Facebook-Verweigerer sind erfolgreicher im Job" (Welt Online)

"Forscher streiten über Facebook-Studie" (Express)

"Studie: Facebook-Muffel im Job erfolgreicher" (Bild - allerdings neben der Schlagzeile noch einer der richtigsten Artikel)

Bei der NZZ ist unter dem verkürzten Titel "Facebook macht nicht glücklich" immerhin aufgefallen, dass die verschwindend kleine Anzahl der Nicht-Nutzer in unserer Studie in der Presse irgendwie verloren ging. Den Redakteuren beim Handelsblatt war das auch egal ("Facebook macht nicht glücklicher").

Das wird mir eine Lehre sein. So wird ein Satz aus dem Kontext gerissen und zu einer Meldung. Unsere Studie gibt die Interpretation, dass "Facebook-Verweigerer" (Morgenpost) besser im Job als Facebook-Nutzer seien, nicht her. So steht es jetzt aber überall im Internet zu lesen. Ich werde mich nie wieder vor der Presse zu Spekulationen hinreissen lassen. Und ich berichte nicht noch mal von Ergebnissen, bevor sie publiziert sind.

[1] Ellison, N., Steinfield, C., & Lampe, C. (2007). The benefits of facebook "friends:" Social capital and college students' use of online social network sites. Journal of Computer-Mediated Communication, 12, 1143-1168.

[2] Körner, A., Geyer, M., Roth, M., Drapeau, M., Schmutzer, G., Albani, C., . (2008). Persönlichkeitsdiagnostik mit dem NEO-Fünf-Faktoren-Inventar: Die 30-Item Kurzversion (NEO-FFI-30). Psychotherapie, Psychosomatik, medizinische Psychologie, 58, 238-245.

[3] Jöreskog, K. G., & Sörbom, D. (1993). Structural equation modeling with the simplis command language. Hillsdale, NJ: Lawrence Erlbaum Associates.

[4] Cohen, J. (1988). Statistical power analysis for the behavioral sciences. Hillsdale, NJ: Lawrence Erlbaum.

[5] Barrick, M., & Mount, M. (1991). The Big Five personality dimensions and job performance: A meta-analysis. Personnel Psychology, 44, 1-26.

Dienstag, 25. August 2009

Energy Zürich entschuldigt sich bei mir für antideutschen Rassismus

Heute morgen hatte ich mich tierisch über den antideutschen Rassismus aufgeregt, den eine Anruferin auf Energy "Mein Morgen" verbreiten durfte. Ich habe eine fast gleich lautende E-Mail an das Energy-Mein-Morgen-Studio und an die Energy-Redaktion geschickt. Sowohl der Moderator, dessen Namen ich auf seine Bitte hin aus diesem Post entfernt habe, als auch Reto Suter von der Programmleitung, haben sich per E-Mail bei mir entschuldigt.

Reto Suter schreibt:
Hallo Bertolt

Vielen Dank für dein Mail.

Du hast selbstverständlich Recht. Das Gespräch, wie es heute morgen bei uns über den Sender ging, war absolut nicht okay. Unser Moderator hätte in diesem Fall unbedingt sensibler sein müssen. Er hat mir aber versichert, dass es keinesfalls seine Absicht war, die Deutschen in Misskredit zu bringen.

Selbstverständlich kommt diese Einsicht spät. Ich hoffe aber dennoch, dass sie dich zumindest ein bisschen besänftigen kann.

Beste Grüsse

Reto Suter
Programmleitung
Der Moderator schreibt:
Guten Tag Herr Meyer

Ich verstehe Ihren Unmut! Absolut. Und ich muss Ihnen Recht geben.

Ich hätte diese Frage nie im Zusammenhang mit Türken gestellt. Und jetzt fragen Sie sich sicher: wo liegt denn da der Unterschied? Es tönt ein bisschen blöd, aber wissen Sie, für mich sind deutsche Leute in der Schweiz nicht wirklich Ausländer. Wir verstehen einander, wir mögen einander, wir haben keine Berührungsängste, zudem sind die Deutschen kulturell und gesellschaftlich meines Wissens auch ziemlich ähnlich gepolt, wie wir Schweizer. Von daher habe ich mir gar nicht viel überlegt, als ich die Frage "gibt es etwas, das dich an den Deutschen nervt?" gestellt habe. Ehrlich gesagt habe ich mir zu wenig überlegt. Schade.

Aber ich gebe Ihnen, wie eingangs erwähnt, absolut Recht. Es war mir eine Lehre und ich bin Ihnen dankbar für das Feedback. Ich kenne viele Deutsche und da gehört frotzeln und sticheln immer wieder dazu, so wie ich als Berner hier in Zürich immer ein bisschen in die Pfanne gehauen werde (im positiven Sinne).

Nur kurz: zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich die Situation sehr wohl aufgefangen habe. Möglicherweise ein bisschen spät. Zudem hatten wir noch den andern Kandidaten am Draht, der sich nur positiv geäussert hat. Das Ende des Gesprächs war: "so Monya, jetzt noch die Entschuldigung an die Adresse deutscher Leute" - was sie dann auch getan hat.

Aber grundsätzlich stimme ich Ihnen zu und entschuldige mich hiermit in aller Form bei Ihnen und bei Leuten, die sich angegriffen gefühlt haben.

Liebe Gruess und schalten Sie doch wieder ein. Wenn einer (ich) nen Bock schiesst, dann heisst das noch lange nicht, dass das ganze Programm für die Katz ist.
Schöne Tag.


Chapeau. Das kommt ja nicht häufig vor, dass sich Leute so deutlich für Ihr Fehlverhalten entschuldigen. Mein Zorn ist jedenfalls etwas besänftigt. Jetzt fehlen meiner Meinung nach noch zwei Dinge: Erstens, eine öffentliche Entschuldigung von Energy und zweitens ein offener gesellschaftlicher Diskurs, wie in der (deutschsprachigen) Schweiz mit uns Deutschen umgegangen wird.

Montag, 24. August 2009

Antideutscher Rassismus - zum Beispiel auf Energy Zürich

Gerade bei Energy Zürich Mein Morgen. Moderator zu Anruferin: "Und Dunja, hast Du etwas gegen die Deutschen?" Dunja: (... es folgen die typischen antideutschen Sprüche, können kein Mundart, etc.) Der Moderator sagt dazu erst mal: Nichts. Dunja darf ganz Zürich ihre Vorurteile über die inzwischen grösste Ausländergruppe des Kantons mitteilen.

Man stelle sich vor, ein Moderator von Energy Berlin hätte eine Anruferin gefragt, ob sie etwas gegen die Türken hätte. Und die hätte dann ganz Berlin erklärt, warum die Türken scheisse sind. Das wäre UNDENKBAR. Ich finde es unfassbar, dass Rassismus gegenüber uns Deutschen hier in Zürich inzwischen salonfähig ist. Gerade letzte Woche ist eine deutsche Freundin von mir an der Migros-Kasse von einer anderen Kundin angemacht worden, dass sie gefälligst Mundart sprechen solle. (
Wobei uns Deutschen ja gerne gesagt wird, es gäbe nichts peinlicheres, als Deutsche, die versuchen, Mundart zu sprechen) Woraufhin alle anderen Kunden in der Warteschlange einstimmten und die Gelegenheit nutzten, ihr mal so richtig die Meinung über die Deutschen zu sagen.

Ich bin angewidert - vom alltäglichen antideutschen Rassismus in dieser Stadt. Es ist schlicht und einfach zum kotzen.

Donnerstag, 30. Oktober 2008

"STOPP DEUTSCHE EINWANDERUNG"

Das stand auf einem Aufkleber, den ich heute Morgen in der Zürcher S-Bahn gesehen habe.

Dienstag, 21. Oktober 2008

Eine Frage der Einstellung

Das Schweizer Magazin "Der Beobachter" hat einen Artikel über Deutsche Einwanderer in der Schweiz verfasst. Deren Zustrom ist nach wie vor ungebrochen; 43% der Deutschen Arbeitnehmer könnten sich vorstellen, in der Schweiz zu arbeiten. 22,5% aller deutschen Arbeitsnomaden, die die Bundesrepublik verlassen, um im Ausland zu arbeiten, gehen in die Schweiz. Damit ist die Schweiz das beliebeste Auswanderungsland für die Deutschen. Das macht sich langsam in der Schweiz bemerkbar: In der Stadt und dem Kanton Zürich stellen die Deutschen inzwischen die grösste Ausländergruppe dar (siehe Beobachter-Artikel). Ich bin einer von ihnen. Die Deutschen Einwanderer sind in der Regel gut ausgebildete Akademiker.

Der Beobachter argumentiert nun, dass die zunehmende Konkurrenz zwischen Schweizern und zugewanderten Deutschen das Verhältnis zwischen den Arbeitskollegen belastet. Und stellt einige Fragen, die er nicht beantwortet und die im Raum stehen bleiben:
Ist, wer etwas sagt, ein Rassist? Die Zuwanderer sorgen für diffuses Unbehagen. ... Doch ist, wer sich über eine hochdeutsche Ansage [in Bussen und Trams ver VBZ] ärgert, schon ein Fremdenfeind? Ist, wer die Konkurrenz gutausgebildeter Deutscher beklagt, ein Fremdenfeind?
Tja, ist er? Da diese Fragen nicht beantwortet werden stellt sich bei mir beim Lesen der Eindruck ein, dass all diese Fragen vom Autor des Artikels implizit mit "Nein" beantwortet werden. Und das finde ich brandgefährlich. Zwei Beispiele dieses Artikels für das angebliche Problem der Schweizer mit den Deutschen haben mich besonders verärgert:

Erstens:
Vergangenen Winter stach Stefan Fischer, der Präsident des Zürcher Studentenrats, in ein Wespennest, als er die «Germanisierung» der Universität beklagte. Nach massiver Kritik musste er zurücktreten. Anlass des «Germanisierungs»-Vorwurfs war die Neubesetzung von acht Professuren, berufen wurden ausschliesslich Deutsche.
Und das soll ein Beispiel für die Germanisierung sein? Wer schon mal in einer Berufungskommission mitgearbeitet hat, weiss genau, dass die Nationalität eines Bewerbers bei der Besetzung einer Professur überhaupt keine Rolle spielt. Das läuft nach klaren Kriterien: Publikationen, Drittmittel, Lehre. Wenn acht Professuren mit Deutschen besetzt werden, dann bedeutet das schlicht, dass das die besten Bewerber waren. Punkt. Die NZZ hat dazu einige intelligente Zeilen geschrieben:
In der Regel aber sind Dozierende und Forschende mit anderem Hintergrund eine Bereicherung für eine Hochschule, wenn diese es versteht, deren Vorstellungen und Erfahrungen von Lehre und Forschung gewinnbringend zu integrieren. Der Universität Zürich gelingt das nicht schlecht. Interne Konkurrenz unter Professoren, umstrittene Berufungsverfahren und Eitelkeiten bringen es zwar mit sich, dass meistens Negativbeispiele die Runde machen. Solche gäbe es allerdings auch von einheimischen Professorinnen und Professoren zu berichten. Schweizer allein aufgrund ihrer Nationalität zu bevorzugen, darf sich die Universität Zürich nicht leisten.
Also: Blödsinn. Zweitens:
Viele Deutsche berichten auch über Diskriminierung im öffentlichen Raum. Einige vermeiden es sogar, im Tram zu telefonieren - aus Angst, als Deutsche identifiziert und angepöbelt zu werden. Ein Betroffener erzählt von einem Vorfall in einer Bäckerei. Er: «Ich kriege ein Brötchen.» Die Verkäuferin: «Sie kriegen hier gar nichts.» Christian Leschzyk von der Imageagentur Stilgerecht im Appenzellischen rät Deutschen in der Schweiz ernsthaft, sich zurückhaltender zu geben, zum Beispiel, sich in einer Gruppe auch mal erst als Zweiter zu melden, «Kollegen freundlich um etwas zu bitten, statt in einem Befehlston etwas anzuordnen», und daran zu denken, dass Hochdeutsch direkt und hart wirke.
Das ist doch allerletzte. Wir sollen beachten, dass Hochdeutsch direkt und hart wirkt? Welche Alternative haben wir denn zum Hochdeutsch? Die grosse Mehrheit der Schweizer, mit denen ich gesprochen habe, hat mir davon abgeraten, Schweizerdeutsch zu lernen. Das würde man nicht machen. Es gäbe nichts peinlicheres, als Deutsche, die versuchen, Schweizerdeutsch zu sprechen. Man kann uns nicht gleichzeitig davon abraten, Schweizerdeutsch zu lernen, und uns gleichzeitig dafür kritisieren, dass wir Hochdeutsch sprechen! Was sollen wir denn machen, Zeichensprache vielleicht? Entweder man lässt uns die hiesige Sprache lernen oder beschwert sich nicht über das Hochdeutsch. Aber in dieser Form ist die Kritik wirklich das allerletzte. Also: auch Blödsinn, so wie der ganze Artikel.

Um eins klarzustellen: Ich habe noch nie offene Ablehnung von Schweizern aufgrund meiner Herkunft erlebt. Aber in den Schweizer Medien nimmt dieser Diskurs eine Menge Raum ein und wird dadurch immer wieder zum Thema. Beim Mittagessen oder beim Bier. Und so bin ich auf abstrakte Weise immer wieder mit diesem Thema konfrontiert. Und das erzeugt bei mir ein ungutes Gefühl. Das Nervt einfach. Vielleicht wäre das "Problem mit den Deutschen" viel weniger ein Problem, wenn die Journallie nicht ständig darüber schreiben würde.

Samstag, 13. September 2008

Das sagt der Experte

Das kommt dabei heraus, wenn man zu Geschlechterthemen forscht: Jetzt durfte ich mein erstes kleines Interview als Experte in Sachen Frauen geben, hihi. Das Magazin der grössten Schweizer Supermarktkette Migros hat eine Doku zum Thema Gewalt gegen Frauen in Uniform gebracht und ich durfte auch meinen Senf dazu geben. Meinen Namen haben sie natürlich falsch geschrieben, aber dafür hats immerhin ein Foto von mir auf der vierten Seite der Print-Version des Artikels. Hier gehts zu Seiten 1, 2 und 3.

Anzumerken wäre noch, dass ich das alles so nicht gesagt habe. Ich ärgere mich darüber, dass es da so klingt, als würde ich das Verhalten der aggressiven Männer ausschliesslich über ein stabiles Merkmal bzw. einen stabilen Charakterzug erklären ("Machos"). Ich habe mehrmals betont, wie wichtig situationale Faktoren für das Entstehen von verbaler Gewalt sind, aber das fanden die offenbar nicht so druckbar. Merke: Interviews vor Veröffentlichug gegenlesen.

Mittwoch, 20. August 2008

Freitag, 15. August 2008

Schweizer Gratissperrmüll

Wenn der Schweizer einen Einrichtungsgegenstand nicht mehr braucht, dann trägt er ihn nicht immer zur Sperrmülltram, wie es sich eigentlich in Zürich gehört. Manchmal stellt der Schweizer nicht mehr benötigte Möbelstücke einfach auf die Strasse. Und macht ein Schild daran, auf dem steht meistens: GRATIS ZUM MITNEHMEN. So wie hier (das GRATIS steht unleserlich oben rechts):

Auf solche oder ähnliche Weise sind mir schon Sofatische, Schränke, Beistelltische, Monitore, Sonnenbänke (!) und Lautsprecher angeboten worden. Natürlich alles gratis. Nicht, dass ich davon irgendetwas mitgenommen hätte. Ich frage mich nun was dieses Schild soll. Dient es nur der Erleichterung des Gewissens des Stadtvermüllers, der sich so weniger wie jemand fühlt, der einfach seinen Schrott im öffentlichen Raum verklappt? Oder hat das hier Tradition und die Leute nehmen das Zeug wirklich mit? Und vor allem: Würden die Leute den gefühlten Gegenwert in Schweizer Franken im Gegenzug an die Bordsteinkante legen, wenn auf den Schildern nicht gross GRATIS stehen würde?

Mein Blog hat mir ein iPhone beschert

Bloggen ist super. Ich hatte mich hier neulich lautstark darüber beschwert, dass mich mein Schweizer Mobilfunkanbieter Orange nicht von einer Orange-Prepaidkarte zu einem Orange-iPhone wechseln lässt. Weil es offensichtlich irgendwie nicht vorgesehen war.

Mein Super-Chef Heinz hat einen Link zu meinem Post an ein Hohes Tier bei Orange geforwardet, das er kennt (Heinz kennt alle hohen Tiere in der Schweiz ;-)). Mit dem Erfolg, dass ich zwei Tage nach meinem Post einen Anruf von Herrn Rümi vom Orange Customer Care bekam. Herr Rümi hat sich für all das Ungemach entschuldigt und mir für die nächste Woche ein iPhone versprochen, das ich seit vorgestern in den Händen halte. Grosse Freude. Daumen hoch für Orange (und für Heinz).

Donnerstag, 7. August 2008

Stararchitekt in spe

Mein Gatte Daniel hat endlich eine Homepage, auf der man sich seine tolle Architektur ansehen kann. Ich finde sie ganz fantastisch. Wenn es mit meiner Karriere nicht klappt, klappt es bestimmt mit seiner.

Montag, 4. August 2008

iPhone kafkaesque: Als Orangeclick-Kunde kann ich kein Orange-iPhone kaufen

Ich stelle mich am 11.07. um 8h morgens beim Orange-Center in Oerlikon in die Schlange, um
ein iPhone zu bekommen. Davon gibt es sogar Fotos. Kurz bevor ich dran bin, ist es leider ausverkauft. Ich warte ein paar Wochen. Ich gehe wieder ins Orange-Center Oerlikon. Ob ich ein iPhone (weiss, 16 GB) reservieren könne. Nein, das geht im Laden nicht mehr, wegen der hohen Nachfrage, das müssen sie online machen. Also gehe ich auf die Orange-iPhone-Seite, um mir dort ein iPhone zu kaufen. Ich habe bereits bei Orangeclick, dem Pre-Paid-Ableger von Orange, eine Prepaidkarte und würde die Nummer gerne auf meinen iPhone-Vertrag portieren. Kann ja nicht so schwer sein. Weit gefehlt.

Die Orange-iPhone-Bestellwebseite empfängt mich mit der Frage, ob ich bereits Orange-Kunde sei. Naiv wie ich bin, klicke ich auf "ich bin schon Orange Kunde", denn erstens habe ich ja Orangeklick, und zweitens habe ich zu Hause ADSL von Orange. Ich werde weitergeleitet und soll Nutzername und Passwort eingeben. Huch? Habe ich nicht. Ich klicke auf "registrieren". Da wollen sie meine Handynummer. Gebe ich ein:

Die Registrierung ist Orange Kunden vorbehalten. Bitte setzen Sie sich kostenlos mit unserem Kundendienst unter der Nummer 0800 700 700 in Verbindung. Falls Sie schon über ein 'orangeclick.ch' Konto verfügen, loggen Sie sich bei orangeclick.ch ein, um Ihr Konto online zu verwalten.

Oh. Wie blöd. Denn auf orangeclick.ch kann ich zwar mein Prepaid-Konto verwalten, aber kein iPhone bestellen. Also gelte ich für Orange offenbar nicht als Kunde. Naja, egal, dann klicke ich auf der iPhone-Bestellseite eben auf "ich bin noch nicht Orange Kunde" (obwohl ich mich als solcher fühle).

Ich lande im Handy-Shop von Orange, wähle das weisse 16 GB iPhone aus, 24 Monate iPhone Optima 30, ärgere mich, dass mir die 50 Franken Rabatt, die ich beim Umtausch meines alten Nokia 6680 im Shop bekommen hätte, durch die Lappen gehen, ärgere mich, dass mir die 40 Franken Rabatt für Orange-Kunden durch die Lappen gehen und darüber, dass die SIM-Karte noch mal 40 Franken kosten soll. Insgesamt habe ich am Schluss 289,- Franken auf der Uhr. Aber nun gut. Ich gehe "zur Kasse" und klicke auf "die jetzige Mobiltelefon Nummer behalten". Ich lande hier:


Ich kann zwar meine Nummer eingeben, aber Orangeclick ist nicht in der Liste der Anbieter. Ich lasse den Anbieter frei, gebe meine Daten ein und klicke auf "weiter". Nix da:

Geben Sie bitte einen Wert in das folgende Feld ein:
Bisheriger Anbieter

Uaaahh! Orange lässt es nicht zu, dass ich als Orangeclick-Kunde ein iPhone bestelle und meine alte Nummer behalte. Kunden des eigenen Prepaid-Angebotes können kein iPhone bestellen. Jedenfalls nicht, wenn sie ihre Nummer behalten wollen.

Das ist sowas von bescheuert. Orange kafkaesque. Wollen die mein Geld nicht?

UPDATE: Dieser Post hat mir binnen 7 Tagen ein Orange iPhone beschert. :-)

Sonntag, 1. Juni 2008

Mit der SVP gehts bachab

Heute wurde in der Schweiz über die "Einbürgerungsinitiative" der SVP abgestimmt. Das Schweizer Radio DRS meldet:
Die Schweiz will keine Einbürgerungen an der Urne, keinen «Maulkorb» für die Behörden und keinen neuen Gesundheitsartikel.

Das Abstimmungsergebnis ist eine dreifache Niederlage für die SVP. Mit 63,8 Prozent Nein fiel das Verdikt zur Einbürgerungsinitiative der Partei überraschend deutlich aus. Ausser dem Kanton Schwyz lehnten alle Stände das Volksbegehren ab.
Sehr schön auch der Kommentar vom CVP-Präsident Christophe Darbellay, gefunden bei 20minuten:
In der «Elefantenrunde» von Schweizer Radio DRS forderte Darbellay die SVP auf, zurück zu den richtigen Problemen zu kommen und zu einer konstruktiven Politik. Die CVP sei bereit auch mit der SVP zu reden, aber sie müsse etwas im Stil ändern, sagte Darbellay, - «und vielleicht auch ihre Plakate».
Ich war selten so einer Meinung mit einem CVP-Politiker. Daumen hoch für 63,8 % der Schweizer Wählerinnen und Wähler!

Zürich CSD 2008

CSD 2008 in Zürich - mein erster bei den Eidgenossen. Los gehts um 13h mit diversen reden auf dem Helvetiaplatz.

Es folgt die Parade. Viel kleiner als in Hamburg oder Berlin, ca. 10 Wagen. Wenn man mittendrin ist, fühlt es sich aber genau so an wie jeder andere CSD auch.


Etwas Politik muss auch sein, schliesslich ist der CSD auch eine Demonstration für die Rechre Homosexueller.

Lokalkolorit 1: Der Wagen der schwulen Offiziere der Schweizer Armee:


Lokalkolorit 2: Heidi ist auch schwul:

Ansonsten das übliche: Transen...


... Lesben ...

... und irritierte Autofahrer, die nicht wussten, dass heute die Innenstatt gesperrt ist und sich nun zwischen all den Tunten wiederfinden. Dieser Oldtimer-Fahrer ist beim Anblick eines Homosexuellen (man beachte die Dose Prosecco) besonders schockiert:


Der Zug führt am Fraumünster vorbei...

.. und am HB durch eine Unterführung. Den CSD durch einen Tunnel führen, die Anwesenden sprechen vom grössten Darkroom in Zürich.
Es geht aber alles ganz gesittet zu.

Dani, Tim und Igor, unser Quotenjugo. :-)
Brandon und Ralph.
Nach der Parade fängt es an zu regnen und deswegen fallen wir mit etwa zehn Leuten unangemeldet bei Bekannten von Reto ein, die in einem schicken Penthouse gleich am HB wohnen. Nachdem die Gastgeber zunächst etwas schockiert ob der vielen fremden Homoletten sind, lassen sie uns dann doch ihren Champagnervorrat austrinken, während es draussen aufhört zu regnen.
Danach gehts zum Turbinenplatz hiterm Schiffbau, wo ein ganz fantastisches und riesengrosses Strassenfest das Ende des CSDs markiert. Sowohl drinnen...

...als auch draussen.


Wir sind inzwischen alle nicht mehr ganz nüchtern.


Auf der Bühne tritt eine Dame auf, die aussieht wie ein Supermodel und auflegt wie eine junge Göttin. Die Masse tobt.


Es wird spät.Ich schlage mich als letzter Überlebender zur alternativen Abschlussparty im Stall 6 durch, wo mir aber nach kurzem Aufenthalt die Kräfte schwinden.

Ein toller Tag! Daumen hoch für Zürich!

Dienstag, 29. April 2008

Die tägliche Hetze der SVP

In Zürich ist mal wieder Wahlkampf. Es wird ja ständig über irgendetwas abgestimmt in der Schweiz, seien es Parlamente, Kammern, Vertreter, Volksentscheide oder Initiativen, deswegen ist eigentlich immer Wahlkampf. Das hat den Vorteil, dass ich in der Schweiz noch nie Gepöbel gegen "Die [Politiker] da oben" gehört habe. Jeder kennt hier irgendeinen Politiker persönlich und die Schweizer Bevölkerung macht in meinen Augen ein politisch aktiven und informierten Eindruck, jedenfalls im Vergleich zu meinem Heimatland.

Die politische Freiheit treibt bei den Eidgenossen allerdings auch hässliche Blüten. Die neueste Aktion meiner Lieblingspartei SVP macht mich besonders fassungslos. Die SVP hat sich folgendes ausgedacht: Jede Gemeinde soll in Zukunft selbst entscheiden können, welches Gremium über einen Einbürgerungsantrag in der Gemeinde entscheidet. Das kann zum Beispiel die Gemeinde selber sein. Entscheidungen über eine Einbürgerung sollen vom bestimmten Gremium ohne Begründungspflicht möglich sein, die Entscheidung kann in geheimer Abstimmung erfolgen und ist endgültig und nicht vor Gericht anfechtbar. Das soll "Masseneinbürgerungen" verhindern. Das ganze heisst Einbürgerungsinitiative. Und so wird sie beworben, die Einbürgerungsinitiative der SVP: In einer gezeichneten Schachtel liegen lauter Schweizer Pässe. Aus der Dunkelheit um die Schachtel strecken sich gelbliche, hell- und dunkelbraune Hände, die nach den Pässen greifen. Darüber ganz gross das Wort STOP:

So leuchtet es mir entgegen, wenn ich morgens am Bahnhof auf meine S-Bahn warte. Oder auf dem Weg zum Einkaufen:
Hier wirds besonders schizophren, da das Plakat links daneben mit einem schwarzen Schweizer Nationalspieler wirbt.

Diese Plakate sind in meinen Augen die aller übelste ausländerfeindliche Propaganda. "Die Ausländer" werden als verallgemeinerte und abstrakte Bedrohung dargestellt, die dieses Land massenweise bedrohen. In Deutschland gibt es nur eine Partei, die so ein Plakat drucken würde (man beachte die dominanten Farben schwarz, rot und weiss): die NPD. Bei der NPD sind sich aber alle mit einem IQ über Zimmertemperatur darüber im klaren, dass es sich um eine gefährliche, antidemokratische und rechtsextreme Partei handelt, die vom Verfassungsschutz überwacht wird und im Verdacht steht, nicht verfassungskonform zu sein. In der Schweiz hingegen kann eine Partei, die bei der letzten Parlamentswahl 30% der Stimmen erhalten hat, so etwas plakatieren, ohne dass es einen nennenswerten Aufschrei gäbe. Das finde ich skandalös. Was für ein Land ist das hier eigentlich?

Obwohl es in der Schweiz den Straftatbestand der Volksverhetzung nicht gibt, liesse sich meiner Meinung nach mit dem Artikel 261 (Rassismus-Strafnorm) des schweizerischen Strafgesetzbuches gegen solche Propaganda vorgehen. Darin heisst es nämlich:
Wer öffentlich gegen eine Person oder eine Gruppe von Personen wegen ihrer Rasse, Ethnie oder Religion zu Hass oder Diskriminierung aufruft, wer öffentlich Ideologien verbreitet, die auf die systematische Herabsetzung oder Verleumdung der Angehörigen einer Rasse, Ethnie oder Religion gerichtet sind, wer mit dem gleichen Ziel Propagandaaktionen organisiert, fördert oder daran teilnimmt, wer öffentlich durch Wort, Schrift, Bild, Gebärden, Tätlichkeiten oder in anderer Weise eine Person oder eine Gruppe von Personen wegen ihrer Rasse, Ethnie oder Religion in einer gegen die Menschenwürde verstossenden Weise herabsetzt oder diskriminiert ...,wird mit Gefängnis oder mit Busse bestraft.
Nach meinem Laienverständnis wäre eine Prüfung hier angezeigt, jedenfalls solange es den Paragraphen noch gibt. Christoph Blocher (SVP) wollte den Paragraphen in seiner Zeit als Justizminister "überprüfen" lassen und:
Am 7. August 2007 lancierten die Schweizer Demokraten eine eidgenössische Volksinitiative Für freie Meinungsäusserung - weg mit dem Maulkorb!, die beabsichtigt, die Rassismus-Strafnorm ersatzlos aus dem Strafgesetzbuch zu streichen. Die Frist für die Unterschriftensammlung wird am 07. Februar 2009 ablaufen.
Der Ausländeranteil in der Schweiz betrug im Dezember 2007 21.1% (Quelle), das ist im Vergleich zum Stand von 1987 (15.2%) ein Zuwachs von 5.9%. Das könnte auf den ersten Blick für eine Zuwanderungswelle sprechen, aber die Berechnungsvorschriften wurden 2001 geändert und seit 2007 werden im Rahmen der Personenfreizügigkeit mit der EU-15 viele Menschen als Ausländer gezählt, die vorher als Kurzaufenthalter nicht in der Statistik auftauchten. Schaut man sich die Entwicklung der Ausländeranteils an der Schweizer Bevölkerung mit Bezug auf das Schweizerische Bevölkerungswachstum an, so sieht das nicht nach Zuwanderungswelle aus:

Der abgewählte Bundesrat Christoph Blocher begründet die Einbürgerungsinitiative in einem Interview mit der Gratiszeitung .ch so:
.ch: Die Bedingungen für Einbürgerung sind in vielen EU-Ländern weniger hoch. Diese Länder haben viel weniger Ausländer als die Schweiz und bürgern daher viel weniger ein. Kennen Sie Fälle, in denen es zu leichtfertigen Einbürgerungen kam?

Blocher: Ja natürlich. Aber die Sache ist doch klar: Die Behörden haben neuerdings Angst, dass aus einem ablehnenden Einbürgerungsentscheid ein Gerichtsfall wird. Deshalb bürgert man im Zweifel ein, um keine Probleme vor Gericht zu haben. Viele Personen werden kriminell, kaum sind sie eingebürgert. Sind sie eingebürgert, können wir sie nicht mehr ausweisen.
Was hat Herr Blocher eigentlich für ein Verständnis von Rechtsstaatlichkeit? Wenn die Schweiz ein Rechtsstaat ist, und davon gehe ich jetzt mal aus, dann müssen Entscheidungen, die ein öffentliches Organ fällt, vom Bürger vor Gericht anfechtbar sein, sonst ist der Willkür Tür ud Tor geöffnet. Wenn eine Gemeinde geheim eine Entscheidung ohne Begründung fällen kann, die vor Gericht nicht anfechtbar ist, so hat das für mich mit Rechtsstaatlichkeit nicht mehr viel zu tun. Aber das ist Herrn Blocher offensichtlich völlig egal:
.ch: Wenn es keine Begründung braucht, öffnen wir der Willkür Tür und Tor.

Blocher: Die Bürger sind verantwortungsvolle Menschen. Aber sie sind bei den Einbürgerungen zurückhaltend. Sie verlangen Integration. Schon heute gibt es kaum ein Land, das so viel einbürgert wie die Schweiz. Wer bei uns eingebürgert wird, kann nicht nur wählen, sondern auch abstimmen.
Dass Bürger verantwortungsvolle Menschen sind, die im Zweifel solche Entscheidungen am besten fällen können, hat die Geschichte in vielen Beispielen ja eindrucksvoll gezeigt.

Ich bin wirklich fassungslos. Dass die Schweiz solche Blüten hervorbringt, die dann noch von einem drittel der Wähler gewählt werden, macht ein Drittel dieses Landes für mich unsympathisch. Dieses Plakat ekelt mich an. Wehret den Anfängen sag ich nur. Mannmannmann.

Samstag, 19. April 2008

Hallo Nachbar, Hallo Nachbarin

Für all die Ausländer in der Schweiz, vor allem im Kanton Zürich, die immer noch nicht begriffen haben, was sich als MieterIn in der Schweiz gehört und was nicht, ist dieses nette Poster herausgegeben worden. Ich hatte es am Freitag in der Post (mit freundlichen Grüssen von meiner Hausverwaltung):


Neben jedem Piktogramm steht in 10 Sprachen die entsprechende Regel dazu. Die Piktogramme sind ganz besonders erbaulich:


Ihr könnt ja mal raten, welche Vorschrift zu welchem Piktogramm gehört:
  • Miteinander reden
  • Wohnung kurz und regelmässig öffnen
  • Im Treppenhaus und der Garage nicht spielen
  • Es ist wichtig, dass sie Deutsch sprechen und verstehen
  • Sorge tragen zu Haus und Umgebung
  • Nachbarschaft pflegen
  • Keine Gegenstände ausserhalb der Wohnung hinstellen
  • Lärm: Rücksicht nehmen und Ruhezeiten einhalten
  • Waschküche sauber hinterlassen
  • Abfall in Zürisäcke und dann in den Container
Ist das nicht schön? Und da sag noch mal jemand, die Deutschen seien so ganz besonders Ordnungsliebend.

Dienstag, 8. April 2008

Hamburg in Zürich 2: Meine Jungs...

...waren über Ostern zu Besuch und Daniel hat tolle Fotos gemacht.


Schlafzimmerblick / Wichtiges

Sehenswertes / Ozelot


Ach ja.

Donnerstag, 13. März 2008

Zähneputzen im 'Büro

Mit Betonung auf der ersten Silbe. Man ist sowieso schon halb eingebürgert, sobald man damit anfängt, auch alle Wörter auf der ersten Silbe zu betonen: 'Büro. 'Wehgeh (WG). 'Iih-däh (ID). 'Leh-gih (Studentenausweis).

Jedenfalls habe ich mir heute zum ersten mal im 'Büro nach dem Mittagessen die Zähne geputzt. Weil die meisten meiner Schweizer Kollegen das auch machen. Ich fand es anfangs etwas seltsam, um die Mittagszeit den Prof vom Nachbarlehrstuhl auf der Toilette beim Zähne putzen anzutreffen, aber das scheint hier gang und gebe zu sein. Kein Wunder: So gut das Schweizer Gesundheitssystem auch ist, die Zähne sind nicht mitversichert und jeder Gang zum Zahnarzt birgt das empfindliche Risiko, um ein viertel Jahresgehalt ärmer zu werden. Bei den Aussichten schwinden dann auch ganz schnell die Hemmungen davor, sich in Pissoirnähe die Zähne zu putzen.